Irene Achatz
Dr. Helmut Baumgartner
Dr. Irmgard Bayer
Dkfm. Herbert Binder
Prof. Dr. Rudolf Bretschneider
Univ.Prof. Dr. Gerhart Bruckmann
Dr. Günther Burkert-Dottolo
Dr. Hubert Feichtlbauer
Dr. Gottfried Feurstein
Dr. Marilies Flemming
Generalkonsul KR Rudolf Frey
Dr. Werner Haidenthaler
Dr. Klaus Hecke
BR a.D. Dr. Lindi Kalnoky
LAbg.a.D. Mag. Franz Karl
Univ.Prof. Dr. Andreas Khol
Univ.Prof. Dr. Franz Kolland
LAbg. Ingrid Korosec
HR Dr. Ewald Kutzenberger
E.-W. Marboe
Dr. Martin Mayr
Univ.Prof. Dr. Wolfgang Mazal
Dr. Otto Pjeta
Univ.Prof. Dr. Manfred Prisching
Dr.H.-P. Rhomberg
Dr. Leopold Rosenmayr
GD-Stv.a.D. Leopold Scherer
Univ.Prof. Dr. Bernd Schilcher
Univ.Prof. Dr. Elisabeth Seidl
Dr. Gerhard Silberbauer
Abg.z.NR Ingrid Turkovic-Wendl
Univ.Prof. Dr. Paul M.Zulehner
Prof. Dr. Peter Zellmann
Oberst Wolfgang Haupt

Studium der scholastischen Philosophie, Schwerpunkt Religionssoziologie und katholische Theologie in Innsbruck. 1961 Promotion zum Dr. der Philosophie. Danach wissenschaftliche Hilfskraft, Institut für Moraltheologie und Gesellschaftslehre, Innsbruck. 1964 Pristerweihe, Erzdiözese Wien. 1966 Promotion zum Dr. der Theologie und Leitung des Wiener Priesterseminars.1974 Habilitation bei Rolf Zerfaß, Würzburg ("Säkularisierung, Religion nach Wahl"). Kommissarische Vertretung des Lehrstuhls für Religionspädagogik und Kerygmatik, Bamberg. 1974 - 1984 Universität Passau (ab 1978 Aufbau der dreijährigen Berufseinführung für Kapläne). 1984 Lehrstuhl für Pastoraltheologie und Kerygmatik, Wien. Seit 1985 theologischer Berater beim CCEE. Derzeit Dekan an der Katholisch-Theologischen Fakultät, Wien.

Auszug aus:

Lebenskultur fürs Älterwerden

Im Jahr 1991 wurde unter der Leitung von Prof. Wolf D. Oswald an der Universität Erlangen-Nürnberg (D) am Institut für Psychogerontologie ein auf wissenschaftlicher Basis aufgebautes Senioren-Trainingsprogramm mit dem Namen "SIMA": "Selbständig im Alter" entwickelt. Es gibt davon auch Abwandlungen, so für Österreich SelbA mit der gleichen Bedeutung "Selbständig im Alter". Das Ziel dieser Alten-bildnerischen Initiative ist, die gewonnenen Lebensjahre besser zu nützen, und zwar als eine Zeit des Lebens und des Reifens. Inzwischen ist nachgewiesen, dass der eingeschlagene Weg gut und richtig ist.Ich stütze mich auf diese gelungene Initiative in meinen folgenden Ausführungen, gebe aber dem "S" in "SimA" eine erweiterte Bedeutung: selbstverantwortlich übernehme ich, füge dann aber solidarisch und spirituell als weitere Bedeutungen bei.

1. Selbstverantwortlich

Selbstverantwortlich, so das Seniorentrainingsprogramm, soll der ältere Mensch vor allem für seine Gesundheit sein. Dabei steht gerontologisch fest, dass von der Wissenschaft zwar die höhere Lebenserwartung medizin-technisch, aber noch nicht qualitativ gemeistert. wurde. Geriatrie als Altenmedizin entwickelt sich zwar rasch. Ihr Ziel lautet: Gesünder alt werden durch Prävention und Rehabilitation. Die Hauptherausforderungen in gesundheitlicher Hinsicht sind Unbeweglichkeit, Instabilität, Inkontinenz, intellektueller Verfall. Diese haben oftmals folgenreiche soziale "Nebenwirkungen". So ist zum Beispiel Inkontinenz häufig Ursache für Isolation und Abschiebung (25% kommen deshalb in Heime). 60% der Menschen in Alten- und Pflegeheimen leiden unter dieser Behinderung. Wie belastend die Lebenslage mancher älteren Menschen ist zeigt, dass der Alterssuizid ansteigt. Bei Männern handelt es sich oftmals um "Bilanzselbstmorde". Spätestens hier wird deutlich, wie sehr die gesundheitliche Seite des Altwerdens mit der psychosozialen Seite verwoben ist.

2. Solidarisch

Alte Menschen nützen ihre gewonnene Lebenszeit zunächst für sich selbst. Individualisierung steht im Mittelpunkt: also die Selbstsorge der Alten für sich selbst. Es ist eine Zeit für gesellschaftlich gestützte individuelle Entwicklungschancen. Leopold Rosenmayr spricht daher von der "Späten Freiheit". Wie wichtig dieses Moment in der Reifungsgeschichte eines Menschen ist, kann ersehen werden, wenn diese Selbstfindung, misslingt. Leicht entsteht dann eine "Spät-Lebens-Lethargie" - ein Drittel der Alternden soll davon betroffen sein. Eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen ist Vorarbeit im gesamten Leben. Das Reifen geschieht aber - wie alle entscheidenden Entwicklungen im menschlichen Leben - sozial bezogen, also solidarisch. Sie gilt als das wichtigste "Reifungsmittel" auch im Altern. Solche Solidarität ist praktisch immer wechselseitig, sie spielt sich zwischen den Generationen ab.

  • Einerseits ist es Solidarität durch die Jungen: sie arbeiten für die Pensionen, sie pflegen die Alten.

  • Andererseits gibt es Solidarität durch die Alten: diese betreuen Kinder, pflegen selbst Angehörige, übernehmen inner- und außerfamiliale ehrenamtliche Tätigkeiten. Wirtschaftlich ins Gewicht fallen enorme ökonomische Transferströme.

Eine besondere Form der Solidarität der Alten mit den Jungen ist die Tradierung bewährter Werte. Dabei ist schon klar, dass es im Vorrat kultureller Werte immer eine Entwicklung gegeben hat. Deutlich wird uns heute auch, dass wir, die Älteren in manchen Werten auch von den Jungen lernen müssen. Zum Beispiel sind junge Menschen ökologisch viel sensibler als die älteren Menschen aller Kategorien. Es scheint, wie Margret Mead einmal meinte, so etwas zu entstehen wie eine präfigurative Kultur - von den Jungen sei die Zukunftsfähigkeit zu lernen. Vielleicht sollte man die Jungen in den Schulen nicht einfach in die Wertewelt von uns Alten einführen´und in diesem Sinn Sozialisation betreiben, sondern "Kontrasozialisation" riskieren. Denn (so Erhard Eppler mit anderen) "wenn wir so weitermachen wie bisher werden wir nicht mehr lange weitermachen".
Diskussionspapier

Teilnehmer der Denkwerkstatt

Österreichischer Seniorenkongress

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Univ.-Prof. DDr. Paul M. Zulehner