Irene Achatz
Dr. Helmut Baumgartner
Dr. Irmgard Bayer
Dkfm. Herbert Binder
Prof. Dr. Rudolf Bretschneider
Univ.Prof. Dr. Gerhart Bruckmann
Dr. Günther Burkert-Dottolo
Dr. Hubert Feichtlbauer
Dr. Gottfried Feurstein
Dr. Marilies Flemming
Generalkonsul KR Rudolf Frey
Dr. Werner Haidenthaler
Dr. Klaus Hecke
BR a.D. Dr. Lindi Kalnoky
LAbg.a.D. Mag. Franz Karl
Univ.Prof. Dr. Andreas Khol
Univ.Prof. Dr. Franz Kolland
LAbg. Ingrid Korosec
HR Dr. Ewald Kutzenberger
E.-W. Marboe
Dr. Martin Mayr
Univ.Prof. Dr. Wolfgang Mazal
Dr. Otto Pjeta
Univ.Prof. Dr. Manfred Prisching
Dr.H.-P. Rhomberg
Dr. Leopold Rosenmayr
GD-Stv.a.D. Leopold Scherer
Univ.Prof. Dr. Bernd Schilcher
Univ.Prof. Dr. Elisabeth Seidl
Dr. Gerhard Silberbauer
Abg.z.NR Ingrid Turkovic-Wendl
Univ.Prof. Dr. Paul M.Zulehner
Prof. Dr. Peter Zellmann
Oberst Wolfgang Haupt

Geboren 1940 in Wien. Neben der Absolvierung des humanistischen Gymnasiums sportliche Erfolge als Eiskunstläuferin (2 x Europameisterin, 1 x Silber bei der Weltmeisterschaft, 1 x Bronze bei den olympischen Spielen.) Nach der Matura 12 Jahre Star der Wiener Eisrevue und der US-Show Ice Capades .Ab 1972 freie Mitarbeiterin des ORF als Sprecherin , Eiskunstlaufkommentatorin und Präsentatorin großer Unterhaltungssendungen . Ab 1979 Moderatorin bei 3 -Sat. Ab 1988 angestellte Redakteurin und Reporterin in der Sportabteilung des ORF. Moderation der Sendung "Seniorenclub". Sowohl als Programmsprecherin als auch als Sportkommentatorin mehrmals zur beliebtesten Moderatorin gewählt . Seit Dezember 2002 Abgeordnete zum Nationalrat. Bereich Senioren, Sport Gesundheit und Kultur. Seit 2005 Bundesobmann-Stellvertreterin des Österreichischen Seniorenbundes.

Auszug aus:

Neue Wege der Lebensgestaltung im Alter

1. Veränderung der LEBENSPHASEN

Die demographische Entwicklung macht uns klar: Wir leben länger! Egal, ob diese Tatsache als bedrohende Schlagzeile oder als frohe Botschaft in den Raum gestellt wird, es gilt darauf zu reagieren. In vielen Fällen tun dies die betroffenen Menschen mit einem guten, sicheren Instinkt und passen diese "gewonnenen" Jahre in ihren persönlichen Lebensbogen ein; die einen in Eigeninitiative, die anderen aus "zweiter" Hand, in Form von Informationen aus den Medien, von Freunden oder tradierten Bildern. Waren es vor 30 Jahren noch 12 Jahre, die nach der Pensionierung gelebt, und geplant werden konnten, so sagt uns die Statistik, dass wir nun 20 bis 30 Jahre oder noch mehr zu gestalten haben. Über einen Menschen, der seinen 90.Geburtstag feiert, staunen wir nicht mehr. Wir fragen sofort nach seinem Wohlbefinden und seinen Aktivitäten. Schon allein, dass wir heute bewusst gar keine Altersgrenze festlegen wollen beweist, dass wir dieser Entwicklung positiv gegenüberstehen.


Diese positive Haltung ist zu begrüßen. Weniger populär ist allerdings die Erkenntnis, dass nicht nur die Erwartungshaltung ausschlaggebend ist, sondern auch das bewusste Erkennen und aktive Gestalten der Situation. Wenn es um das Aufgeben der Bequemlichkeit und Passivität geht, wird das sonst so erfreuliche Thema sofort mit Skepsis "verpackt":

Wir arbeiten doch seit Jahrhunderten daran, uns das Leben bequemer zu machen! Die technische Entwicklung in den letzten 100 Jahren hat uns in vielen Fällen entscheidend geholfen, Arbeiten weniger mühevoll absolvieren zu können. Dabei denke ich weniger an Landwirtschaft, als an unseren privaten Lebensbereich, der nun von Autos, Rolltreppen, Lifts, Küchenmaschinen, Computern und TV-Geräten beherrscht wird.

Ich sage bewusst beherrscht, denn wenn eines dieser Hilfsmittel einmal außer Betrieb ist, glauben viele von uns, dass sie "ohne" nicht mehr zu Rande kommen. Die Überlegung, dass manche Situation nicht wirklich schlecht ist, wenn statt Rolltreppe die Stiegen gestiegen werden, statt Staubsauger, Besen und Bürste eingesetzt werden und der geliebte Schweinsbraten durch Apfel plus Joghurt ersetzt wird - diese Überlegung ist äußerst suspekt und vor allem nicht beliebt!

Es fällt uns schwer zu erkennen, dass wir mit dieser Einstellung eines unserer besten und schönsten "Lebensmittel" verkümmern lassen: unsere Beweglichkeit! Die Beweglichkeit unseres Körpers, unseres Geistes und unseres Herzens. Und auch die schöne Gabe, unser Leben verändern zu können. Die Starrheit, die wir in vielen Fällen verhindern und verzögern könnten, wird so viel zu früh unsere "gewonnenen" Jahre negativ beeinflussen, durch Verlust an Mobilität und Souveränität.

Bei vielen Veranstaltungen, bei denen ich ältere Menschen treffe und über dieses Thema sprechen kann, habe ich den Eindruck, dass ich zwar Verständnis finde, aber die Umsetzung als Einschränkung empfunden wird. Es ist mir durchaus klar, dass Senioren, die den zweiten Weltkrieg und die Jahre nach dem Krieg erlebt haben, nichts vom Verzicht auf das geliebte, panierte Schnitzel hören wollen: Endlich ist genug - mehr als genug - zum Essen da; endlich muss man nicht alles zu Fuß gehen. Der radikale Verlust von "Allem" in den Kriegstagen, hat sicher eine tiefe Verlustangst hinterlassen, die Menschen geprägt, das Erreichte festzuhalten und nichts mehr verändern zu wollen. Kann man dieser Generation den Hang zur Unbeweglichkeit verübeln?

Ein Beispiel einer Seniorenbegegnung in der Steiermark illustriert das Widersprüchliche dieser Situation: Eine Bäuerin erzählt ohne Selbstmitleid, dass sie noch nie vom Hof weggekommen ist, noch nie einen Tag Urlaub gemacht hat, weil Hof, Tiere, Familie ihre Arbeitskraft rundherum brauchen. "Einmal für einen Tag wegfahren, einen Ausflug machen, wäre so schön!" Am Abend treffe ich bei einer Frauenveranstaltung die Tochter dieser Bäuerin. Sie ist Filialleiterin der Bank des Ortes, hat also eine angesehene Position. Sie hat im Ausland praktiziert, ehe sie wieder in den Heimatort in der Steiermark zurückgekehrt ist. "Meine Mutter hat alles darangesetzt, dass ich ins Ausland gehe und etwas lerne. Ich sollte all das erreichen, was in ihrem Leben anders gelaufen ist. Sie ist ganz stolz auf mich." Stolz auf seine Frau Filialleiterin war auch deren Mann.

Da ist innerhalb einer Generation eine gesellschaftliche Veränderung eingetreten, über die ich gestaunt habe, die aber bei den Betroffenen als Selbstverständlichkeit gesehen wurde.
Diskussionspapier

Teilnehmer der Denkwerkstatt

Österreichischer Seniorenkongress

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Abg.z.NR Ingrid Turkovic-Wendl