Irene Achatz
Dr. Helmut Baumgartner
Dr. Irmgard Bayer
Dkfm. Herbert Binder
Prof. Dr. Rudolf Bretschneider
Univ.Prof. Dr. Gerhart Bruckmann
Dr. Günther Burkert-Dottolo
Dr. Hubert Feichtlbauer
Dr. Gottfried Feurstein
Dr. Marilies Flemming
Generalkonsul KR Rudolf Frey
Dr. Werner Haidenthaler
Dr. Klaus Hecke
BR a.D. Dr. Lindi Kalnoky
LAbg.a.D. Mag. Franz Karl
Univ.Prof. Dr. Andreas Khol
Univ.Prof. Dr. Franz Kolland
LAbg. Ingrid Korosec
HR Dr. Ewald Kutzenberger
E.-W. Marboe
Dr. Martin Mayr
Univ.Prof. Dr. Wolfgang Mazal
Dr. Otto Pjeta
Univ.Prof. Dr. Manfred Prisching
Dr.H.-P. Rhomberg
Dr. Leopold Rosenmayr
GD-Stv.a.D. Leopold Scherer
Univ.Prof. Dr. Bernd Schilcher
Univ.Prof. Dr. Elisabeth Seidl
Dr. Gerhard Silberbauer
Abg.z.NR Ingrid Turkovic-Wendl
Univ.Prof. Dr. Paul M.Zulehner
Prof. Dr. Peter Zellmann
Oberst Wolfgang Haupt

Geboren 1925 in Wien, Kriegsteilnahme und Kriegsgefangenschaft 1943-1947, Dr.phil. Wien 1949, Lern- und Lehrjahre in Harvard und New York City bis 1953, ab 1954 soziologische Untersuchungen über Wohnen und Nachbarschaft, Familie, Jugend, Alter und intergenerativen Austausch. Historische Studien zur Philosophie und Soziologie der Lebensalter, Feldforschungen in Stammesgesellschaften in Südostasien und Westafrika. Neue Forschungen seit 2000 über Sinnbildung und Selbstbezug im Zusammenhang mit individueller und gesellschaftlicher Aktivierung 60+. Mitglied der Österr. Akademie der Wissenschaften, viele Preise, darunter der Schader-Preis für angewandte Soziologie-Berlin, das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst, der Preis für humanistische Gerontologie 2001 der Stadt Wien und der Kardinal Innitzer Preis 2002, großes silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich 2005.

Auszug aus:

Blicke in die Zukunft des Alterns
(Empirische Daten klären Überlegungen und Planungen)


In meinen österreichischen Repräsentativstudien der letzten Jahre zeigen sich statistisch deutlich signifikante Zusammenhänge, dass, wer soziale Kontakte zu leben vermag, wer es sich mit Freunden nicht verscherzt, wer die Möglichkeit, ein günstiges zwischenmenschliches Klima bis spät ins Leben für sich erhalten kann, auch zu einer viel besseren Bewertung der eigenen Gesundheit kommt. Gemeinsam lebt es sich besser. Sowohl für das eigene Wohlbefinden, als auch für einen positiven Lebensrück¬blick und für eine positive Lebensvorschau wirken sich soziale Aktivität und sozialkulturelle Integration günstig aus. Ein positives soziales Klima ermöglicht es, die gesundheitlichen Beeinträchti¬gungen besser zu verarbeiten. Auch hier sind mit großer Deutlichkeit aus unseren Studien zahlenmäßig belegbare Wechselwirkungen vorhanden. Der Mensch, der aktiv ist und Ziele hat, um die es ihm zu tun ist, und die er verfolgt, stellt auch die gesundheitlichen Einbußen, Schädigungen und Einschränkungen in seiner gesamten Lebenseinstellung und -beurteilung zurück. In einem seiner späten Sonette schrieb Michelangelo: Kunst stemmt dem Tod entgegen ihre Kraft.

Goya kam 1825, drei Jahre vor seinem Tod, 75 Jahre alt, dem Ende nahe, nochmals zu Kräften und begann eine neue Serie von Litographien. Jeder Mensch hat seine eigene Kreativität, die gibt ihm Ziele und vermag ihn voranzutreiben, auch spät im Leben. Wer als älterer Mensch allein lebt oder sich einsam fühlt, was nicht identisch ist, aber vielfach gekoppelt auftritt, wer also Kontakte nicht zu leben vermag, sie nicht aufrecht erhält oder angeboten bekommt, hat mehr Beschwerden. Die soziale Integration hat einen hohen positiven Wert für die subjektive, selbst-beurteilte Gesundheit. Natürlich mindern anderseits auch gesundheitliche Defizite und Einschränkungen sowohl den Wunsch nach Sozialkontakten als auch die Realisierung dieser Wünsche. Aspekte der Sozialität fördern die Gesundheit, schaffen Erleichterung bei Beschwerden. Das lässt sich empirisch durch Daten zeigen.

Forschungen lassen einen starken Zusammenhang zwischen der von sich selbst ausgehenden Gesundheitsbeurteilung, der so genannten subjektiven Gesundheit und dem durch Ärzte bzw. klinische Befunde festgestellten "objektiven" Gesundheitszustand erkennen. Die subjektive Gesundheit ist auch deswegen sehr aussagekräftig, weil Langzeituntersuchungen Zusammenhänge zwischen ihr und der Lebenserwartung nachweisen. Je besser die subjektive Gesundheit, desto länger lebt der Mensch.

1. Bildung und höheres Einkommen begünstigen die Gesundheit

Je höher Bildung und Einkommen, desto länger lebt der Mensch auch in unseren europäischen, durch den Sozialstaat gestützten Verhältnissen. Die Tatsache, dass wohlhabende, hochgebildete Menschen viel älter werden, viel später sterben als die, die weniger Geld und Schulbildung haben, ist bis heute gesellschaftlich zuwenig wahrgenommen. Was wird die Zukunft daran ändern? Der Sozialeffekt von finanziellen Mitteln und Bildung ist hinsichtlich der Langlebigkeit kaum ins allgemeine oder gar ins politische Bewusstsein eingedrungen. Soll man Alter und Krankheit in dieser sozial gestaffelten Weise politisch akzeptieren? Nein. Die Sozialpolitik hat hier große Aufgaben. Es wirken viele dieser ökonomischen und sozialen Faktoren auf Umwegen. Von ärmeren und weniger gebildeten Menschen wird der eigenen Gesundheit weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Die Bemühung um Rehabilitation oder Wiederherstellung ist in der Regel in den unteren Schichten geringer. Auch findet sich bei benachteiligten Menschen weniger Aufmerksamkeit gegenüber Selbstschädigungen. Sie manifestieren sich im passiven Verharren in Depressionen, in Überernährung, Bewegungsfaulheit, Alkohol¬missbrauch und der mangelnden Bereitschaft, Gesundheitskorrekturen durch Medikamente konsequent durchzuführen. Auch Medikamenten¬missbrauch gehört zu diesen Selbstschädigungen. Unbewusste Selbstzerstörung wird an sich selbst bei weniger Bildung seltener wahrgenommen und kontrolliert als in den höheren Bildungsschichten. Doch auch bei hoher Bildung kann Selbstzerstörung durch Arbeitsüberlastung, Geltungswahn neurotisch wirksam werden.

2. " Fange nie an, aufzuhören und höre nie auf, anzufangen!" (Ursula Lehr)

Zum geglückten Altern gehört der sich erneuernde Bezug zum Körper. Große Kulturen, die indische, die fernöstlichen chinesischen und japanischen, hatten, wenn auch in sehr verschiedener Weise, Programme und Lebenspraktiken entwickelt, die sich auf den Körper bezogen. Vieles davon war mit Meditation verbunden. Die westliche Welt beginnt erst jetzt den ganzen Reichtum dieser Praktiken zu entdecken. Angesichts des fortgeschrittenen Lebens entsteht die Aufgabe, Blockaden im Verhalten und Handeln aufzugeben und Hemmungen gezielt zu reduzieren. Wichtig erscheint dabei, den Zugang zur Sexualität zu erhalten oder neu zu finden. Die Sexualität wird im späten Leben durch gewonnene Erfahrungen zwar erneut zugänglich, trotz organischer, sozialer und psychischer Einschränkungen. Aber Gesundheit kann die Sexualität stark beeinträchtigen. Frauen leben zwar länger, aber sind kränker im späten Leben als die Männer. Der raschere Libido-Rückgang bei den heute älteren Frauen 60+ hängt im Vergleich zu den Männern auch mit den häufigeren Erkrankungen der älteren Frauen zusammen. Aber gesundheitliche Defizite können auch vorgeschoben werden um Sexualität zu verweigern.
Diskussionspapier

Teilnehmer der Denkwerkstatt

Österreichischer Seniorenkongress

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Univ.-Prof. Dr. Leopold Rosenmayr