Irene Achatz
Dr. Helmut Baumgartner
Dr. Irmgard Bayer
Dkfm. Herbert Binder
Prof. Dr. Rudolf Bretschneider
Univ.Prof. Dr. Gerhart Bruckmann
Dr. Günther Burkert-Dottolo
Dr. Hubert Feichtlbauer
Dr. Gottfried Feurstein
Dr. Marilies Flemming
Generalkonsul KR Rudolf Frey
Dr. Werner Haidenthaler
Dr. Klaus Hecke
BR a.D. Dr. Lindi Kalnoky
LAbg.a.D. Mag. Franz Karl
Univ.Prof. Dr. Andreas Khol
Univ.Prof. Dr. Franz Kolland
LAbg. Ingrid Korosec
HR Dr. Ewald Kutzenberger
E.-W. Marboe
Dr. Martin Mayr
Univ.Prof. Dr. Wolfgang Mazal
Dr. Otto Pjeta
Univ.Prof. Dr. Manfred Prisching
Dr.H.-P. Rhomberg
Dr. Leopold Rosenmayr
GD-Stv.a.D. Leopold Scherer
Univ.Prof. Dr. Bernd Schilcher
Univ.Prof. Dr. Elisabeth Seidl
Dr. Gerhard Silberbauer
Abg.z.NR Ingrid Turkovic-Wendl
Univ.Prof. Dr. Paul M.Zulehner
Prof. Dr. Peter Zellmann
Oberst Wolfgang Haupt

Geboren 1954, Lebenslauf- und Bildungsforschung. Promotion und Habilitation an der Universität Wien. Seit 1998 a.o. Professor für Soziologie an der Sozialwissenschaftlichen Fakultät. 1999-2005 wissenschaftlicher Leiter des Ludwig Boltzmann-Instituts für Lebenslaufforschung Wien. Sprecher des Arbeitskreises Geragogik der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie; Mitglied der UN-Task Force on Ageing; Beiratsmitglied der Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie; Beiratsmitglied des Universitätslehrgänges "Interdisziplinäre Gerontologie" in Graz.

Auszug aus:
Lernen und Bildung im späten Leben - ein Weg mit vielen Zielen

Welchen Sinn hat Lernen im Alter? Zahlt es sich aus oder ist Bildung im Alter eine Art gesell-schaftlicher Luxus? Welche Effekte können nachgewiesen werden? Noch nie waren die Alten so jung wie heute, noch nie waren die Erfahrungen der Alten so wenig wert wie in der Gegenwart. Die jungen Generationen lehren den älteren Generationen wie die Welt "funktioniert" - sei es Internet, sei es DVD, sei es Mobiltelefonie oder sei es die Globalisierung. Gelernt wird der Gebrauch neuer Technologien, die zunehmend auch die älteren Menschen erreichen. Noch ist von" digitaler Spaltung" die Rede, womit gemeint ist, dass die älteren im Vergleich zu den jüngeren Menschen einen geringeren Zugang zu neuen Technologien haben.

Einleitung

Seit den 1970er-Jahren finden wir in den Industriestaaten einen Strukturwandel in der Bil-dungsbeteiligung. Gekennzeichnet ist dieser Wandel durch einen deutlichen Anstieg der Be-teiligung von Personen im mittleren und höheren Alter an formalen Bildungsprozessen. Wenngleich sich "lebenslanges Lernen" vorerst noch stärker auf Berufsqualifizierung von Erwerbstätigen richtet, so ist nicht zu übersehen, dass auch die Bildungsnachfrage alter Men-schen steigt. Es sind neue Erfahrungen, die zu Bildung herausfordern, sie kommen aus einer hochtechnisierten Arbeits- und Lebenswelt, dem regionalen und städtischen Strukturwandel, dem Wandel der Beziehungen zwischen den Geschlechtern und den Veränderungen in der Freizeitgestaltung. So haben wir also einen Wandel im Begriff des Lernens, in dem vor allem die Unabgeschlossenheit und der Entwicklungscharakter hervorsticht.

Angeregt wird eine Diskussion um eine neue Alterskultur. Sie wird angeregt aufgrund der Pluralisierung des Alters, der Unterscheidung zwischen jungen und alten Alten und der zwischen Drittem und Viertem Lebensalter. Damit soll auch verdeutlicht werden, dass die Älteren keine homogene, benachteiligte Gruppe darstellen. Die große generative Chance kultureller Gegenwarts- und Zukunftsdeutung als auch Zukunftsgestaltung liegt sowohl im Tatbestand pluraler Alterskulturen (Stichwort: Bürgergesellschaft) als auch im Potential einer spezifischen Alterskultur (Stichwort: Generativität).

Gerade eine Betrachtung des Alters, die vom gesamten Lebenslauf ausgeht und die Lebensentwicklung als Chance der Ausweitung und Vertiefung von Interessen und Erhöhung der Selbstbestimmung auffasst, sollte in Prozessen der Kultivierung denken. Es geht nicht nur um Selbständigkeit und Eigenkompetenz im Alter, es geht darüber hinaus um Selbstbestimmung und Ausschöpfung des Alterspotentials. Alterskultur wird einerseits durch die Integration von Traditionen und andererseits von Neuerungen und Erfahrungen gelebten und bewusst gemachten Daseins ermöglicht. Alterskultur ist Herausforderung zur individuellen Selbstgestaltung.

Wesentlich ist, dass sich bei der Untersuchung der Lebensformen des Alters eher vielfältige und widersprüchliche Alterkulturen zeigen denn eine homogene Alterskultur. Ausgebildet werden können individuell und in Rückbindung an Gruppen verschiedenartige Aktivitätsstile. Den vielfältigen Aktivitätsstilen kann eine eigenständige Kraft mit eigener Qualität zugeschrieben werden. In diesem Zusammenhang kommt es zu einer Aufwertung der Bildung im späten Leben (Kolland 2005). Ebenso wie sich nachfolgende Generationen lebenslang weiterbilden müssen, sollten sich auch ältere Menschen Bildungs- und Lernangeboten öffnen.

Die Aufwertung der Bildung beruht erstens auf demografischen Veränderungen, die die Struktur des Lebenslaufs beeinflussen. Zu nennen sind hier einerseits die Ausweitung der Altersphase und andererseits die Aufhebung der strikten Trennung und linearen Abfolge von Ausbildung, Beruf und Ruhestand.

Der Bedeutungszugewinn der Bildung im Alter beruht zweitens auf veränderten Bildungsvoraussetzungen, d. h. günstiger werdenden Lebenslagen-Merkmalen. Die Anhebung des allgemeinen Bildungsniveaus und die insgesamt gestiegene berufliche Qualifizierung in der Gesellschaft erzeugen eine höhere Nachfrage nach Weiterbildung in allen Altersstufen.

Die Aufwertung der Bildung beruht drittens auf der heute stärker als in der Vergangenheit spürbaren professionellen Beschäftigung mit Altern und Alter. Dazu gehört die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende differenzielle Sicht des Alternsprozesses, worunter zu verstehen ist, dass es im Alternsprozess deutliche Unterschiede zwischen den Individuen gibt. Gezeigt werden kann, dass sich Bildung sowohl auf Gesundheit, soziale Integration als auch Lebenszufriedenheit positiv auswirkt (Kolland 2005).
Diskussionspapier

Teilnehmer der Denkwerkstatt

Österreichischer Seniorenkongress

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Univ.-Prof. Dr. Franz Kolland