Irene Achatz
Dr. Helmut Baumgartner
Dr. Irmgard Bayer
Dkfm. Herbert Binder
Prof. Dr. Rudolf Bretschneider
Univ.Prof. Dr. Gerhart Bruckmann
Dr. Günther Burkert-Dottolo
Dr. Hubert Feichtlbauer
Dr. Gottfried Feurstein
Dr. Marilies Flemming
Generalkonsul KR Rudolf Frey
Dr. Werner Haidenthaler
Dr. Klaus Hecke
BR a.D. Dr. Lindi Kalnoky
LAbg.a.D. Mag. Franz Karl
Univ.Prof. Dr. Andreas Khol
Univ.Prof. Dr. Franz Kolland
LAbg. Ingrid Korosec
HR Dr. Ewald Kutzenberger
E.-W. Marboe
Dr. Martin Mayr
Univ.Prof. Dr. Wolfgang Mazal
Dr. Otto Pjeta
Univ.Prof. Dr. Manfred Prisching
Dr.H.-P. Rhomberg
Dr. Leopold Rosenmayr
GD-Stv.a.D. Leopold Scherer
Univ.Prof. Dr. Bernd Schilcher
Univ.Prof. Dr. Elisabeth Seidl
Dr. Gerhard Silberbauer
Abg.z.NR Ingrid Turkovic-Wendl
Univ.Prof. Dr. Paul M.Zulehner
Prof. Dr. Peter Zellmann
Oberst Wolfgang Haupt

Geboren 1952 in Graz. Seit 1996 Direktor der Politischen Akademie der ÖVP, deren wissenschaftlicher Leiter. Wahlforscher, Politologe und Zeithistoriker, Berater im strategischen und politischen Bereich. Spezialisiert auf international vergleichende Analysen gesellschaftlicher Entwicklungen und deren Auswirkungen auf Wirtschaft und Politik (Schwerpunkt Westeuropa, asiatischer Raum, Balkan). International renommierter Experte hinsichtlich Issue-Management, Trendbeobachtung und Wahlkampfanalysen. Lehrtätigkeit am Institut für Politikwissenschaft an der Uni Wien.

Auszug aus:

Gesellschaftliche Trends in einer alternden Gesellschaft und deren politische Folgen

Günther R. Burkert-Dottolo/Andreas Reiter

Die Ausgangssituation Gesellschaftliche Veränderungen sind nichts Neues. Die Zusammensetzung der Gesellschaft verlief schon in der Vergangenheit höchst unterschiedlich: so gab es nach den Weltkriegen aufgrund der vielen im Krieg Gefallenen einen plötzlich signifikant höheren Frauenanteil. Gleichzeitig nahmen die Geburten nach den grausamen Jahren des Mordens wieder massiv zu. Zukunftsoptimismus machte sich breit.

Trotzdem stellt die Situation nach dem Zweiten Weltkrieg in der Langzeitentwicklung unseres Raumes eine gewisse Ausnahme dar: Die sogenannte "Aufbaugeneration" nach 1945 konzentrierte ihren Optimismus auf wachsende Anteile am Zugewinn des Bruttoinlandsprodukts und verbrachte ihr ganzes Leben zufrieden in einem Beruf. Abgesehen von der Ölkrise in den 70er-Jahren war der Wirtschaftsboom allgegenwärtig und damit selbstverständlich, materielle Wohlhabenheit ging mit Individualisierung und Säkularisierung einher. Die Möglichkeit privater Geburtensteuerung ermöglichte hier eine Festigung des Erreichten. Deutschland und Österreich haben nach 1945 - anders als etwa Frankreich - auf eine staatlich gelenkte Bevölkerungspolitik verzichtet und sind damit - wie viele andere Staaten im südlichen Europa - an das Ende der Geburtsstatistik gerutscht.


Die langfristig prognostizierten Zuwanderungs-Gewinne von durchschnittlich 80.000 Migranten können die Geburtendefizite bis 2025 zwar kompensieren - das Wirtschaftswachstum wird aber auf einem niedrigen Niveau stagnieren. Aufgrund der privaten Altersvorsorge nimmt die Sparquote nämlich stark zu (für 9 von 10 Österreichern ist die Eigen-Vorsorge wichtig), was wiederum den privaten Konsum der Haushalte deutlich schwächt. Gleichzeitig boomt der Diskont-Lifestyle, womit die Lebenshaltungskosten auf gleichem Lavel gehalten werden können.

Die neue Arbeitswelt ist eine alte

Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes beginnt im Klassenzimmer und hört im Altersheim auf. Da die neue Arbeitswelt eine alte sein wird, bringt sie eine neue Kultur der Arbeit im Alter hervor. Die über 50jährigen (derzeit rund 1/3 der österreichischen Bevölkerung) werden in den nächsten Jahren zur dominanten Bevölkerungsgruppe, zum Motor der Wirtschaft, zum Angelpunkt sozialpolitischer Innovationen. Und: sie bieten eine ideale Folie für gesellschaftliche Projektionen im Spannungsfeld zwischen Jugendwahn und Altersrassismus:

  • Als Best Agers werden sie von Werbung und Wirtschaft immer mehr als attraktive und kaufkräftigste Zielgruppe umworben. Schließlich verfügt die Generation der Erben (Erbalter 55 Jahre) heute über 1/3 am Gesamtvermögen in Österreich, ca. die Hälfte hat ein monatliches Haushaltseinkommen von mehr als 1.450 Euro, weitere 24% 2.050 Euro .

  • Andererseits hält die Alters-Diskriminierung der Generation 50 PLUS am Arbeitsplatz - mit Ausnahme weniger weitsichtiger Human Ressource-Manager - die nächsten Jahre noch an: Österreich ist bei den Silver Workern Schlusslicht der EU. Der Personalabbau bei älteren Arbeitnehmern ist auch mit Folge eines - in einer hyperdynamischen Informationsgesellschaft - überholten Senioritätsbonus. Hier ist ein Paradigmen-Wandel in den nächsten Jahren zu erwarten: künftige Entlohnung richtet sich nicht an den absolvierten Jahren aus, sondern an der absolvierten Leistung. Damit im engsten Zusammenhang steht eine schwere Beschädigung des Selbstbildes älterer Arbeitnehmer: 82% der über 50jährigen in Österreich glauben, in ihrem Alter am Arbeitsmarkt nicht mehr gefragt zu sein . Die gleichzeitige Mythen-Pflege von den angeblich hedonistischen Power-Oldies bzw. den angeblich nicht mehr jobtauglichen Älteren verschärft die Bruchlinien zwischen den Generationen. Die Front zwischen den "Rentenkaisern" und den Jungen, die sich um ihre Zukunft betrogen fühlen, wird schärfer, der Generationenvertrag steht auf dem Spiel. Dies zeigt auch eine Umfrage, bei der sich 54% der Österreicher/innen unter 30 Jahren für eine Aufkündigung des Generationen-Vertrags aussprachen, während von den über 60jährigen ihn 81% beibehalten wollten.
Diskussionspapier

Teilnehmer der Denkwerkstatt

Österreichischer Seniorenkongress

Text drucken
Schrift vergrössern
Univ.-Prof. Dr. Günther Burkert-Dottolo