Irene Achatz
Dr. Helmut Baumgartner
Dr. Irmgard Bayer
Dkfm. Herbert Binder
Prof. Dr. Rudolf Bretschneider
Univ.Prof. Dr. Gerhart Bruckmann
Dr. Günther Burkert-Dottolo
Dr. Hubert Feichtlbauer
Dr. Gottfried Feurstein
Dr. Marilies Flemming
Generalkonsul KR Rudolf Frey
Dr. Werner Haidenthaler
Dr. Klaus Hecke
BR a.D. Dr. Lindi Kalnoky
LAbg.a.D. Mag. Franz Karl
Univ.Prof. Dr. Andreas Khol
Univ.Prof. Dr. Franz Kolland
LAbg. Ingrid Korosec
HR Dr. Ewald Kutzenberger
E.-W. Marboe
Dr. Martin Mayr
Univ.Prof. Dr. Wolfgang Mazal
Dr. Otto Pjeta
Univ.Prof. Dr. Manfred Prisching
Dr.H.-P. Rhomberg
Dr. Leopold Rosenmayr
GD-Stv.a.D. Leopold Scherer
Univ.Prof. Dr. Bernd Schilcher
Univ.Prof. Dr. Elisabeth Seidl
Dr. Gerhard Silberbauer
Abg.z.NR Ingrid Turkovic-Wendl
Univ.Prof. Dr. Paul M.Zulehner
Prof. Dr. Peter Zellmann
Oberst Wolfgang Haupt

Studium der Germanistik, Geografie und Volkskunde in Wien. AHS Lehrer und Schulleiter in Klagenfurt. Langjähriger Landesobmann der Österreichischen Professorenunion in Kärnten, Mitglied des Kollegiums des Landesschulrates von Kärnten. Landesobmannstellvertreter und Bildungsreferent des Kärntner Seniorenbundes.

Auszug aus:
Pflege zwischen Menschenwürde und Kostendruck

Von den vielen Problemen, die sich im Zusammenhang mit der älteren Generation ergeben, sind Pflege und Betreuung ganz besonders schwierig zu lösen. Da die diesbezüglichen Anforderungen an die gesamte Gesellschaft sprunghaft zunehmen, ist es an der Zeit, dass sich die Österreichische Volkspartei dieser Problematik entschieden annimmt. Eine entsprechende Politik wird eines Tages Früchte tragen, wenn ältere Menschen der ÖVP die entsprechende Lösungskompetenz zuschreiben. Allerdings ist es jetzt höchste Zeit konkret zu handeln, in zahlreichen Reden wurde immer wieder zur Genüge auf die tickende Zeitbombe hingewiesen. Da die Pflege zum überwiegenden Teil im familiären Bereich stattfindet, sind die jüngeren Seniorinnen und Senioren in spezieller Weise betroffen. Sind sie doch vielfach einer Mehrfachbelastung ausgesetzt. Die Rede ist von den Großeltern, der Generation um die 60-65. 60 Prozent von ihnen beaufsichtigen ihre Enkel fallweise, 19 Prozent tun dies wöchentlich, 10 Prozent täglich. Immer stärker wird der Einsatz dieser Altersgruppe aber bei Pflege- und Hilfsleistungen. In einem Lebensabschnitt, in dem Senioren allmählich selber gesundheitliche Probleme bekommen, werden ihre Eltern pflegebedürftig. Die familiäre Hilfe wird in Zukunft aber sicher abnehmen. Gründe dafür sind zunehmend längere Berufstätigkeit, damit verbunden späterer Pensionsantritt und die sinkende Anzahl von Kindern. In Österreich wird schon in 20 Jahren ein Drittel der Bürger älter als 60 Jahre sein. Junge Menschen sind bald eine Minderheit. Eine Konsequenz dieser alternden Gesellschaft ist das sprunghafte Ansteigen von pflegebedürftigen Menschen. Bereits in den nächsten zehn Jahren wird sich die Zahl der hilfs- und pflegebedürftigen Menschen um ein Drittel auf 800.000 erhöhen. Jeder zehnte Österreicher wird dann auf Hilfe und Unterstützung durch andere angewiesen sein. Aber schon jetzt herrscht ein Mangel an Pflegekräften, der derzeit noch durch die intakten familiären Netzwerke ausgeglichen werden kann.

Wer wird die Älteren pflegen?

Die Pflege ist überwiegend weiblich und geschieht zu geschätzten 80 Prozent in der Familie. Aber wie lange noch? Eine steigende Zahl an Scheidungen, immer mehr Singlehaushalte, höhere Berufstätigkeit und Mobilität der Frauen und weniger Kinder werden sich auf die Zukunft der häuslichen Pflege stärker auswirken Dazu kommen die unglaublichen Belastungen, die häusliche Pflege für die Betroffenen bedeutet. Funktioniert aber der Familienverband nicht mehr so gut wie heute, bricht das ganze Pflegesystem zusammen. Mehr als die Hälfte der pflegenden Angehörigen sind rund um die Uhr eingespannt, können keinen Urlaub machen, müssen auf Freizeit, Entspannung und Ruhe verzichten und vermissen dadurch eine entsprechende Lebensqualität. Die Pflege von Angehörigen in der Familie ist oft eine Extremsituation. Der Einsatz rund um die Uhr ist aufreibend. Nur ein Drittel erhält für die Pflege eine finanzielle Unterstützung. 40 Prozent derer, die pflegen, sind bereits über 60 Jahre alt, 80 % der zu Pflegenden sind älter als 70 Jahre.

Alle diese Fakten sind durch zahlreiche Studien bekannt. Besonders eindringlich ist eine Untersuchung, die im letzten Jahr von der Arbeiterkammer Tirol durchgeführt wurde und deshalb interessant ist, weil sie auch die Situation im ländlichen Raum berücksichtigt:

In Tirol gibt es rund 23.000 pflegebedürftige Menschen. 4.700 Personen werden stationär in Heimen gepflegt. Das bedeutet, dass in Tirol rund 80 Prozent der Pflege in der Familie erfolgt. Deshalb erscheint es so wichtig, nicht nur die Situation in den Pflegeheimen zu verbessern, sondern vor allem die familiäre Pflege zu analysieren, zu unterstützen und langfristig zu sichern.
Diskussionspapier

Teilnehmer der Denkwerkstatt

Österreichischer Seniorenkongress

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Dr. Helmut Baumgartner